Was tun gegen den Personalmangel?

Kurz- und mittelfristige Personalengpässe beim Lokpersonal können bei jeder Bahn auftreten und Einteilungsbüros sowie Lokführerinnen und Lokführer vor grosse Herausforderungen stellen. Die Gedanken liegen nahe, mit einem verstärkten Austausch von Lokführern solche Engpässe zu meistern. Eine RAILplus-Projektgruppe nahm diese Gedanken auf.

«Grippewelle im Anmarsch»: Diese Meldung sorgt bisweilen für ungute Gefühle bei den Planern des Lokpersonals. Denn Reserve-Lokführerinnen und Lokführer, auf welche bei kurzfristigen Krankmeldungen kurzerhand zurückgegriffen werden kann, sind bei unseren Bahnen aus wirtschaftlichen Gründen kaum mehr vorhanden. Auch Abgänge wegen schwerwiegender gesundheitlicher Gründe oder Stellenwechsel privater Natur sind real, aber meistens nicht planbar und bringen den Personalkörper von kleineren bis mittleren Bahnunternehmen oft an den Anschlag. Erschwerend kommt dazu,dass der Markt an Lokpersonal laut Aussagen mehrerer Berufskollegen ausgetrocknet ist und eine Lokführerin oder ein Lokführer nicht eben einfach ab der Strasse eingestellt werden kann. Die Rekrutierung von neuem Lokpersonal dauert aus eigener Erfahrung mehrere Monate. Zwischen der Veröffentlichung eines Stelleninserates bis zum selbstständigen Einsatz im Führerstand kann es je nach Bahnunternehmen bis zu 1½ Jahre dauern.

Was also tun? Könnte die Hilfe der Bahnen untereinander Engpässe verhindern und entschärfen?

Lösungsansätze
Drei Varianten eines möglichen Austausches von Lokpersonal standen der RAILplus-Projektgruppe zur Auswahl. Ein temporärer Austausch bei Bedarf, ein Pool bestehend aus Lokpersonal geografisch naheliegender Bahnen sowie ein Pool mit Lokführern welche auf sämtlichen RAILplus Bahnen eingesetzt werden können. Das Projektteam hat diese Varianten durchleuchtet und bewertet. Relativ schnell war den Beteiligten klar, dass es in Zukunft kaum Lokführer geben wird, welche auf allen RAILplus Bahnen unterwegs sind. Zu komplex und zu gross wäre der Aufwand und Variante 3 damit schon bald vom Tisch. Als kaum überbrückbare Hürden zeigten sich unter anderem die verschiedenen Kategorien von Lokführern, welche auf unseren Netzen unterwegs sind, deren Durchlässigkeit sowie organisatorische und logistische Fragen.

Ein fester Pool mit einigen Lokführern von RAILplus-Bahnen geografischer Nähe, beispielsweise BDWM, WSB, asm und RBS schien da realistischer. Tatsächlich wäre der Aus- und Weiterbildungsaufwand einiges geringer als bei der Maximalvariante, aber immer noch enorm. Zudem zeigte die Analyse, dass trotz erweiterten Ausbildungs- und Prüfungsleistungen eine Bahn erst nach rund drei Monaten in den Genuss von fremden Lokführer-Leistungen kommen könnte. Somit sprach sich die Projektgruppe auch gegen die zweite Variante aus. Sie entschied sich abschliessend für die Variante 1, welche bereits heute bei einigen Bahnen erfolgreich zum Einsatz kommt (siehe Folgeseite). Um temporäre Einsätze von Lokführern bei fremden Bahnen zu optimieren und verstärkt zu fördern, wurde im Rahmen des Projekts das Muster eines Personalverleihvertrages erarbeitet. Dieser enthält die zu regelnden Fragen und steht den Bahnen ab sofort zur Verfügung. Dieser Verleihvertrag könnte auch für weitere Berufsgruppen innerhalb von RAILplus von Nutzen sein und wird deshalb in den verschiedenen RAILplus-Arbeitsgruppen vorgestellt und weiterverfolgt.

Oliver Marfurt,
Leiter Triebfahrzeugführende
BDWM Transport AG


Veröffentlicht am
07:40:05 18.12.2017