Dialog BAV – RAILplus: Einflussnahme auf die Regulation und Austausch zu aktuellen Fragestellungen

Auf Grund der unabhängigen Netze aber auch auf Grund der kleineren Unternehmensgrössen ist es nicht notwendig und sinnvoll, dass die Meterspurbahnen die teilweise sehr hohen Anforderungen an die Normalspurnetzbetreiber vollumfänglich übernehmen. Aus diesem Grund nimmt RAILplus neben anderen Themen regelmässig Stellung zu Vernehmlassungen rund um technisch-/betriebliche Fragestellungen mit dem speziellen Fokus, einfache Standards für die Meterspurbahnen zu sichern.

Darüber hinaus pflegt RAILplus seit 2013 den regelmässigen Dialog mit der Spitze des Bundesamts für Verkehr (BAV). Der offene Austausch auf Augenhöhe ermöglicht beiden Seiten, aktuelle Themen anzusprechen und auf unkomplizierte Weise gegenseitig die Meinungen und Erfahrungen auszutauschen.


Interview mit BAV-Direktor Peter Füglistaler

Peter Füglistaler
Dr. Peter Füglistaler,
Direktor Bundesamt für Verkehr


Herr Dr. Füglistaler, wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit RAILplus und den Meterspurbahnen?
Ich empfinde die Zusammenarbeit als offen und konstruktiv. Es ist von beiden Seiten die Bereitschaft da, Anliegen und Argumente entgegenzunehmen. Man spürt, dass die Direktoren von RAILplus nahe am Geschäft sind, was den Austausch auf eine sehr praktische Ebene bringt.

Wo liegen die Hintergründe und Herausforderungen neuer regulatorischer Anforderungen?
Es sind im wesentlichen vier Gründe: Erstens nimmt die Sicherheit bei den Bahnen – zu recht – einen sehr hohen Stellenwert ein. Zweitens befinden wir uns in einer Phase, bei welcher die nationalen Konzepte durch eine europäische Harmonisierung abgelöst werden. Drittens entwickelt sich die Nachfrage im öV sehr dynamisch. Und viertens schafft die technologische Entwicklung neue Möglichkeiten. Dies führt unmittelbar zur Weiterentwicklung der Regelwerke. Die Meterspurbahnen sind nicht von allen Entwicklungen gleichermassen betroffen. Deshalb versuchen wir in erster Linie Grundsätze und Ziele vorzugeben und Differenzierung zuzulassen. Es ist eine gemeinsame Herausforderung, die Umsetzung in der Praxis mit Augenmass und angepasst an die Eigenheiten von Meterspurbahnen vorzunehmen.

Welchen Beitrag können die Bahnen und RAILplus leisten?
Sie sind Spezialisten für ihre Bahnen, sie kennen die Anforderungen und Eigenheiten am besten. Das BAV ist darauf angewiesen, dass sie ihren Input offen, transparent und konstruktiv einbringen, aber auch offen sind für neue Entwicklungen. Wir haben den Eindruck, dass gerade die Bahnen von RAILplus diese Anforderungen sehr gut erfüllen. Es wäre wünschenswert, wenn sich Meterspurbahnen bei wichtigen Themen verstärkt in die Politik einbringen würden. Bei Fragen zu Tarifen oder der Weiterentwicklung des Vertriebs wird das Feld zu stark den grossen Normalspurbahnen überlassen. Hier wäre die Meinung der Meterspur prononcierter einzubringen.

Können die Meterspurbahnen und RAILplus einen Beitrag zur Innovation leisten?
Die Meterspur ist prädestiniert für Innovationen im Eisenbahnsektor. Insbesondere grössere Meterspurbahnen verfügen über das nötige Knowhow im Rad-Schienen-System und können die Vorteile eines integrierten Bahnsystems ohne übermässigen Overhead einbringen. Ein Vorteil ist auch das abgeschlossene Netz: Selbstfahrende Fahrzeuge zum Beispiel dürften auf einem abgeschlossenen Netz einfacher umzusetzen sein als in einem offenen Normalspurnetz. Innovation setzt aber voraus, dass das Knowhow gebündelt wird. Bei kleineren Bahnen stellen wir fest, dass sie Mühe haben, die technologische Entwicklung nachzuvollziehen. Ein gemeinsames Vorgehen unter Koordination von RAILplus sehe ich deshalb als erfolgsversprechend an.

Auf Bundesebene wird viel vom Sparen gesprochen. Was heisst das für die Bahnen?
Wir konnten den öV in den letzten Jahren massiv ausbauen und erneuern. Es stehen weitere grosse Ausbauschritte an. Dies führte zu einem massiven Anstieg der Subventionen. Im Eigeninteresse müssen wir deshalb alles unternehmen, um die Betriebskosten tief zu halten und Ausbauten so günstig wie möglich zu realisieren. Der Bundesrat hat uns beauftragt, die Normen und Standards so anzupassen, dass die Kosten des Bahnsystems nachhaltig gesenkt werden können. Diese Senkung kann das BAV nicht alleine bewerkstelligen. Die Bahnen sind ihrerseits gefordert, kostengünstige Lösungen vorzuschlagen und umzusetzen. Wenn reglementarische Spielräume geschaffen werden müssen, so stehen wir diesen offen gegenüber.




Veröffentlicht am
07:24:30 18.12.2017