Harmonisierung als nationales Leuchtturmprojekt

Mit der Einsetzung des Projekts Harmonisierung Rollmaterial und Infrastruktur wurde im Jahr 2016 eine alte Kernaufgabe angepackt. Prämisse war natürlich das immer näher rückende Inkrafttreten des Behindertengesetzes 2023. Gleichwohl war allen Beteiligten von Anfang an bewusst, dass in der verbleibenden Zeit nur wenige Beschlüsse umgesetzt werden können – «der Zeitpunkt für die Harmonisierung ist immer falsch». Mit der Erklärung zum Leuchtturmprojekt hat RAILplus aber auch einen viel weiteren Zeithorizont ins Auge gefasst: Diese Harmonisierung gilt als eigentliches Jahrhundertprojekt, das auf Jahrzehnte hinaus Wirkung und Synergien zeitigen soll.

Durch die inzwischen mehr als zwölfjährige Zusammenarbeit unter den Bahnen ist es nun auch möglich, solche anspruchsvolle und komplexe Themen aufzuarbeiten und mit einer ganzheitlichen Sicht zu diskutieren. Mit mehr als 1000 km Streckennetz umfassen die RAILplus-Bahnen vermutlich fast sämtliche möglichen Konstellationen, die es zu lösen gilt. Es ist erfreulich, wie sachlich und lösungsorientiert die Aufgabe angegangen wird. Der RAILplus-Spirit ist inzwischen auch hier unverkennbar.
Erstaunlich auch, in wie vielen Fragen man sich rasch einig war, etwa beim Lichtraumprofil, bei der Fahrdrahthöhe, beim Radprofil, bei der Stromspannung oder bei der Kupplungshöhe (siehe Darstellung). Dass mehr Fragen zur Infrastruktur als zum Rollmaterial behandelt werden, kommt nicht von ungefähr: Fahrzeugseitig werden bewusst weniger Vorgaben gemacht, um die fortschreitende Innovation nicht einzuschränken. Ein grösseres Traktandum ist nun der Punkt Haltekante: Denn dies ist ein Element der Bahnhofanlage, bei dem viel Geld verbaut wird und das auf Jahre hinaus nur mit grossen Kosten korrigiert werden kann. Es geht dabei um eine einheitliche Perronhöhe und den seitlichen Abstand von der Gleisachse.

Die Haltekante hat grosse Auswirkungen auf die Fahrzeugbeschaffung. Eine Vereinheitlichung würde grosse Einsparungen in der Projektierung und in der Konstruktion der Fahrzeuge bringen. Ob sich dann in der Praxis auch noch Kosten einsparen lassen durch eine geringere Reservehaltung muss sich erst noch zeigen: Wie weit ein angedachter Fahrzeugtausch unter den Meterspurbahnen überhaupt praktikabel ist, wird sich weisen. Bei der Perronhöhe sollen künftig 350 mm als Standardmass gelten. Um die Lösungen für die Haltekante zu konkretisieren, werden die nächsten Schritte in Zusammenarbeit mit dem BAV und dem Verband öffentlicher Verkehr weiter entwickelt.




Veröffentlicht am
14:29:24 04.07.2017